„Die Werkrealschule ist der letzte verzweifelte Rettungsversuch“

Veröffentlicht am 24.07.2010 in Veranstaltungen

Podiumsdiskussion der Walzbachtaler SPD zum Thema „Patient Bildung“ / Klares Plädoyer für längeres gemeinsames Lernen

Aus den BNN, 23. Juli 2010, Arnd Waidelich

Hier gehts zum kompletten Bericht mit Fotos

Walzbachtal-Wössingen. Das Thema Bildung ist in aller Munde. Mehr noch seit dem gescheiterten Volksentscheid zur Primarschule in Hamburg. Doch was das Volk in Hamburg in Wallung brachte, das stieß in Walzbachtal bei einer Podiumsdiskussion des SPD-Ortsvereins auf wenig Interesse. In der Aula der Grund- schule Wössingen blieben die Genossen unter sich bei einer von Werner Parsch moderierten Podiumsdiskussion zum Thema „Patient Bildung“.
Das hochkarätig und zum Teil überparteilich besetzte Podium machte schnell deutlich, dass Volkes Stimme nicht unbedingt die Meinung der Experten sein muss. Sie wie auch die Besucher waren sich zu 100 Prozent sicher, dass längeres gemeinsames Lernen an einer Schule am Ort das Rezept sei, mit dem man aus der gegenwärtigen Krise des Bildungssystems herauskomme.
Ohne ideologische Scheuklappen solle man sich an Modellen aus dem skandinavischen Raum orientieren. Die Werkrealschule sei der „letzte verzweifelte Versuch der Landesregierung, das dreigliedrige Modell zu retten“, meinte Nuri Kiefer, Rektor der Berghausener Geschwister-Scholl-Realschule.

Die Gemeinschaftsschule müsse ergänzt werden von einer kostenfreien, verbindlichen Ganztagsschule mit qualifizierter pädagogischer Betreuung. Ehrenamtliche allein könnten diese Aufgabe nicht leisten, fügte Elisabeth Wolf, Rektorin der Bauschlotter Hauptschule, hinzu. Die frühkindliche Förderung sei ein weiterer Baustein, der viele Probleme in späteren Jahren gar nicht erst entstehen lasse. Die Erzieher bräuchten eine bessere Ausbildung und bessere Bezahlung, forderte Sabine Gemmel-Krauß, Leiterin des kommunalen Kindergartens „Moby Dick“. Das dritte Kindergartenjahr müsse unter Beteiligung des Landes beitragsfrei sein. Als ganz wichtigen Faktor bezeichnete Gernot Jäger die Elternarbeit. Als Lehrer an den Beruflichen Schulen Bretten werde er oftmals von mangelndem Engagement der Eltern enttäuscht.
Einig waren sich alle im Entsetzen über die gegenwärtigen Zustände im Bildungssystem, angefangen vom Kindergarten bis hin zum G8-Gymnasium. „Was ich in den vergangenen drei Jahren erlebt habe, das kann nicht mehr getoppt werden. Die Abstände, in denen wir auf dem Zahnfleisch gehen, werden immer kürzer“, meinte beispielsweise Sabine Gemmel-Krauß, die Leiterin des kommunalen Kindergartens „Moby Dick“ und wurde dabei sowohl von Elisabeth Wolf wie auch von Nuri Kiefer unterstützt.
Gänzlich folgenlos und theoretisch sollte die Diskussion nicht bleiben, so war die Vorgabe der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Anette Sorg. Dem fünften Gast auf dem Podium, dem Landtagsabgeordneten der SPD, Wolfgang Wehowsky, gab sie den gemeinsam erarbeiteten Forderungskatalog mit auf den Weg nach Stuttgart.
Möglichst viele Elemente aus der auf hohem Niveau geführten Diskussion möge er in seine Arbeit im Landtag einbringen, so lautete der abschließende Wunsch der Ortsvereinsvorsitzenden.

 
 

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