
In Sulzfeld haben die Bürger einen maroden Bahnhof übernommen. In einem Genossenschaftsmodell renovieren sie das vor dem Verfall stehende Gebäude. Vor ähnlichen Problemen stehen und standen etliche Gemeinden nicht nur entlang der Kraichgaubahn. Dort hat sich das Modell herumgesprochen. Eine dieser Gemeinden ist Walzbachtal. In Wössingen steht ebenfalls ein Bahnhof schon lange Zeit leer. Ein schlüssiges Konzept für seine Verwendung hat die Gemeinde bislang noch nicht entwickeln können, obwohl sich der Bahnhof mittlerweile seit vielen Jahren in ihrem Besitz befindet. Geradezu visionär erschienen deshalb der SPD-Ortsverbandsvorsitzenden Anette Sorg die Aktivitäten in Sulzfeld. „Mir träumt es schon lange davon, im Wössinger Bahnhof vielleicht ein Cafe oder irgendeine soziale Nutzung unterbringen zu können. Das was in Sulzfeld geschieht, das könnte ich mir auch in Walzbachtal vorstellen“, ging sie ihren Mitgliedern so lange auf die Nerven, bis auch die wissen wollten: „Was genau geschieht eigentlich in Sulzfeld?“
Das wollten die Walzbachtaler Genossen jetzt bei einem Vor-Ort-Termin in Erfahrung bringen. Der kurze Draht zwischen der Walzbachtaler und dem Sulzfelder SPD-Vorsitzenden Rolf Becker fruchtete und am Samstag machte sich eine große, neugierige Delegation der Walzbachtaler SPD mit der Stadtbahn auf den Weg nach Sulzfeld. Ganz stolz wurden sie nicht nur von den vor Ort schon werkelnden beiden Genossenschaftsvorsitzenden Christoph Zehender und Gerold Kraus begrüßt, sondern auch von Bürgermeisterin Sarina Pfründer. Sie war in Jeans und Turnschuhen ebenfalls zum Arbeitseinsatz angetreten. „Es motiviert uns sehr, wenn eine so große Gruppe uns besucht“, so begrüßte sie die Genossen, die in einer tatsächlich stattlichen Anzahl ihren Informationshunger stillen wollten. Sie und die beiden Genossenschaftsvorsitzenden überschütteten die Walzbachtaler mit einer Flut an Informationen, angefangen mit dem Rückblick auf den Verfall des Bahnhofs und auf die Idee seiner Rettung durch ein Genossenschaftsmodell bis hin zu den Details der künftigen Nutzung. Im Zusammenhang mit ihrer Wahl zur Bürgermeisterin, so erinnerte Sarina Pfründer, habe die Idee Aufschwung erhalten, mit der Renovierung des Bahnhofs Sulzfeld ein attraktives Portal zu verschaffen. Auch Sulzfeld habe mit der Gemeinde Leutkirch ein Vorbild gehabt, an dem man sich habe orientieren können.

Grundlage für das Gelingen des Projekts sei das vielfältige ehrenamtliche Engagement der Bürger. Ganz wesentlich für das Vertrauen in dieses Engagement seien die positiven Erfahrungen bei der Renovierung der evangelischen Kirche gewesen. Sie sei ebenfalls in nicht unerheblichem Maß durch Bürgerengagement gelungen. Damals habe es „einen Ruck in der Gemeinde gegeben“, der sich am Bahnhof jetzt positiv bemerkbar mache. Ziel sei es, den neuen Bahnhof beim Tag des offenen Denkmals im September der Öffentlichkeit vorstellen zu können. Währenddessen klopfte und hämmerte es im Hintergrund an allen Ecken und Enden. Manchmal sauste auch ein Betonbrocken mit Getöse durch den Schornstein, so dass den direkt daneben Stehenden ein ganz ordentlicher Schreck in die Glieder fuhr. Den Besuch nicht nehmen ließen sich die beiden Gemeinderätinnen Renate Müller und Karin Herlan, die sich von dem zeitgleich stattfindenden Waldbegang des Walzbachtaler Gemeinderats loseisen mussten, später zu der Gruppe stießen und ebenfalls wertvolle Informationen mit nach Hause nahmen. „Ganz neidisch“, so resümierte Anette Sorg am Schluss, habe sie auf Sulzfeld geblickt und hoffte, “dass wir Walzbachtaler hoffentlich auch so ein Projekt anstoßen können.“ Die Begeisterung, die bei den Sulzfelder Genossen zu spüren sei, sei ansteckend. Umfangreiche Informationen über den Bürgerbahnhof gibt es im Internet unter dieser Adresse: http://buergerbahnhof-sulzfeld.de
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